Carmen Jones

Carmen Jones

Dienstag, 22. Juli 2025

Like a complete Unknown


Regie: James Mangold

 Musikalische Weiterentwicklung...

Biopics von großen Pop- und Rockstars sind seit "Walk the line" von James Mangold im Kino sehr gefragt. So hatte "Bohemian Rhapsody" von Bryan Singer 910 Millionen Dollar Umsatz. Nicht nur Freddie Mercury kam auf großes Publikumsinteresse. Auch Elvis Presley im Film von Baz Luhrman hatte ein Einspielergebnis von 288 Millionen Dollar. "Rocket Man" zeigte das schillernde Leben, natürlich mit 195 Millionen Dollar ebenfalls sehr erfolgreich an der Kinokasse. James Mangolds zweites Biopic über einen Musiker heißt "A Complete Unknown" und beschäftigt sich mit den frühen Jahren von Bob Dylan und seinem Wandel vom Folksänger zum Rockstar, der sich so weiter entwickelte, dass er auch elektrische Instrumente einsetzte und so den Zorn vieler Fans zuzog, die seinen Wandel als Verrat am sehr amerikanischen Genre ansahen. Wie bereits in "Walk the Line"oder auch beim französischen Film "La vie en Rose" spielten die Darsteller die Songs neu ein. Sicherlich eine löbliche Idee, wobei die eingespielte Songs natürlich nie die Klassiker der Originale erreichen. Dylan wird von Timothée Chalamet gespielt, der den Film auch produzierte. Der Film basiert lose auf dem 2015 erschienenen Buch Dylan Goes Electric! von Elijah Wald und porträtiert Dylan von seinen ersten Erfolgen in der Folkmusik bis zur bereits beschriebenen folgenschweren Kontroverse.1961 trampt Bob Dylan nach New York City, um sein Musikidol Woody Guthrie (Scott McNairy) zu treffen, der langsam an der Huntington-Krankheit stirbt. Dylan trifft Guthrie im Krankenhaus zusammen mit Guthries engem Freund Pete Seeger (Edward Norton). Dylan spielt ein Lied, das er für Guthrie geschrieben hat, und beeindruckt die beiden Folkmusiker. Pete lädt Dylan ein, bei seiner Familie zu bleiben, und führt den Neuling langsam in die New Yorker Folkszene ein. Nach einem Auftritt von Joan Baez (Monica Barbaro) stellt Pete Dylan bei einem Open-Mic-Abend vor, an dem Branchenmanager und der Plattenmanager Albert Grossman (Dan Fogler) teilnehmen. Dylan flirtet mit Baez und beeindruckt das Publikum, woraufhin Grossman ihn sofort als Kunden annimmt. Dylan beginnt mit der Arbeit an einem Album, wird aber von seinem Label gezwungen, hauptsächlich Cover aufzunehmen. Die Plattenverkäufe sind schlecht, was Dylan frustriert. Dylan lernt Sylvie Russo (Elle Fanning) bei einem Konzert kennen und bezaubert sie mit seinen widersprüchlichen Ansichten und Geschichten aus seiner Zeit auf einem Jahrmarkt. Die beiden beginnen eine Beziehung, und er zieht in ihre Wohnung. Vor ihrer Abreise zu einer längeren Klassenfahrt nach Europa gerät Sylvie mit Dylan in Streit. Sie ist verärgert über seine distanzierte Art und seinen bewussten Versuch, seine Vergangenheit vor ihr zu verbergen. Trotzdem ermutigt sie ihn, die Aufnahme seiner eigenen Musik voranzutreiben. Während ihrer Abwesenheit produziert Dylan, beeinflusst von politischen und sozialen Unruhen, eine Reihe sozialkritischer Songs. Dies erregt Baez' Aufmerksamkeit, und die beiden beginnen eine Affäre und künstlerische Zusammenarbeit. Sylvie wird misstrauisch, als sie Dylans berufliche Nähe zu Baez sieht, und 1965 trennen sich Dylan und Sylvie. Dylan ist zwar berühmt, hat aber keine künstlerische Freiheit erlangt und beklagt, den Erwartungen der Branche und der Folkmusik-Community ausgeliefert zu sein. Eine lang erwartete Tournee mit Baez endet im Desaster; ein Streit über Dylans Ego und Baez' Forderung, seine populären Songs anstelle von neuem Material zu spielen, führen dazu, dass Dylan mitten im Auftritt die Bühne verlässt. Dylans Wunsch, sich von Erwartungen zu lösen, treibt ihn dazu, mit E-Gitarre und Rockinstrumenten zu experimentieren – eine kontroverse Richtung in der Folkszene, die überwiegend einfache akustische Arrangements bevorzugt. Dylan stellt seine Band zusammen und beginnt mit den Aufnahmen zu „Highway 61 Revisited“. Dylans neue Ausrichtung bereitet dem Planungskomitee des Newport Folk Festivals besonders Sorgen. Es hat Dylan als Headliner für die Veranstaltung 1965 engagiert, befürchtet aber, dass er seinen umstrittenen neuen Sound präsentieren könnte. Dylan lädt Sylvie zum Festival ein, in der Hoffnung, seine Beziehung zu ihr dadurch wiederzubeleben. Sie nimmt an, doch als sie ein Duett („It Ain't Me Babe“) zwischen Baez und ihm sieht, erkennt sie, dass sie sich in ihrer Beziehung nie wohlfühlen wird, ist verärgert und geht. Dylan folgt ihr mit seiner Triumph zum Dock, von dem aus sie die Insel verlässt, kann sie aber nicht zum Bleiben überreden. Sie verabschieden sich mit einer letzten Zigarette. Das Komitee versucht, Dylan davon abzuhalten, elektrisch zu spielen, und greift schließlich auf Petes leidenschaftliche Bitte zurück, Dylan daran zu erinnern, dass sein Lebenswerk auf dem Spiel steht. Ein betrunkener Johnny Cash (Boyd Holbrook) ermutigt Dylan, die elektrische Show zu spielen, und Dylan zieht seinen Plan durch. Die Menge reagiert gehässig und bewirft die Band mit Beschimpfungen und Gegenständen..


 Laut Produzent Fred Berger sang Chalamet im Film 40 Dylan-Songs und spielte gleichzeitig Gitarre und Mundharmonika. Alle Auftritte wurden live während der Dreharbeiten aufgezeichnet. Timothee Chalamet spielt einen der einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts und Literatur-Nobelpreisträger sehr gut, er bleibt durch diese Darstellung auch weiterhin eine rätselhafte Persönlichkeit, die bis heute nicht richtig greifbar ist. Die Inszenierung ist vielleicht etwas zu oberflächlich und vereinfacht um ein Meisterwerk des Genres zu sein. "A Complete Unknown" schaffte aber Nominierungen (Film, Regie, Hauptdarsteller, Nebendarsteller – Edward Norton, Nebendarstellerin Monica Barbara) adaptiertes Drehbuch, Kostümdesign und Ton), konnte allerdings in keiner Kategorie gewinnen.


Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Emilia Perez


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Jacques Audiard

Völlig neue Identität...

Wahrscheinlich ist Jacques Audiards Musical-Thriller "Emilia Perez" der originellste Film des Jahres. Im Grunde ein Mafia-Drama, allerdings erweitert durch ein Transgenderthema, gespickt mit vielen Musiknummern, die von Zoe Saldana, Gascon, Selena Gomez, Mark Ivanir, Adriana Paz gesungen werden. Geschrieben wurde der soundtrack von der französischen Sängerin Camille und von Clement Ducol.  Bei den Filmfestspielen von Cannes 2024 gewannen die Stars Karla Sofía Gascón, Selena Gomez, Adriana Paz und Zoe Saldaña gemeinsam den Preis für die beste Schauspielerin, während Regisseur Jacques Audiard den Preis der Jury und Clément Ducol und Camille den Soundtrack Award erhielten. Der Film war außerdem für die Goldene Palme und die Queer Palm nominiert. Er wurde außerdem vom American Film Institute zu einem der zehn besten Filme des Jahres 2024 gekürt. Bei der 97. Oscarverleihung erhielt Emilia Pérez 13 Nominierungen, darunter Bester Film, Beste Regie für Audiard, Beste Hauptdarstellerin für transgeschlechtliche Hauptdarstellerin Karla Sofia Gascón und für die Beste Nebendarstellerin Zoe Saldaña, die die Trophäe gewann. Auch der Filmsong "El mal“ wurde prämiert.Weiterhin gab es auch Golden Globes und fünf Europäische Filmpreise (Bester Film, Hauptdarstellerin Karla Sofia Gascon, Beste Regie, Bestes Drehbuch, bester Schnitt).  Natürlich ist so ein Filmgemisch kein konventioneller Film, der sicherlich nicht wenige Zuschauer bereits am Anfang abschrecken könnte, da es völlig verwegen ist Thriller mit Musicalnummern zu kreuzen. Doch die Vorbehalte dürften sich legen, wenn man sich auf diesen hervorragenden Film einlassen kann, der sicherlich ganz großes Kino bietet. Etwas Almodovar ist mit dabei, auch wurden die Macher möglicherweise von der Oper "Carmen" inspiriert. Audiard hat aber etwas Neues geschaffen, die Handlung des Films ist so verwegen wie unwahrscheinlich.  Im Gegensatz zur positiven Branchenreaktion war die Rezeption im mexikanischen Kultursektor geteilt. Kritiker und Interessenvertretungen innerhalb und aus der LGBTQ-Community äußerten sich ebenfalls etwas kritischer.  Rita Mora Castro (Zoe Saldana), eine erfolglose Anwältin in Mexiko-Stadt, führt die Verteidigung in einem Mordfall, in den die Ehefrau eines prominenten Medienvertreters verwickelt ist. Gegen ihr Gewissen argumentiert Rita, die Frau habe Selbstmord begangen. Nach ihrem Sieg erhält Rita einen anonymen Anruf mit einem mysteriösen, aber lukrativen Angebot. Angesichts ihrer Unzufriedenheit stimmt sie einem Treffen zu. Ihr Mandant, der sich als Kartellboss Juan „Manitas“ Del Monte (Karla Sofia Gascon) entpuppt, äußert den Wunsch, sich heimlich einer geschlechtsangleichenden Operation zu unterziehen und ein neues und authentisches Leben als Frau zu beginnen. Nach Konsultationen mit Ärzten in Bangkok und Tel Aviv findet Rita einen Chirurgen (Mark Ivanir), der sich bereit erklärt, den Eingriff durchzuführen, nachdem sie Manitas' Erinnerungen an Geschlechtsidentitätsstörungen in ihrer Kindheit gehört hat. Nach dem Eingriff werden Manitas' Frau Jessi (Selena Gomez) und ihre Kinder in die Schweiz übersiedelt. Jessi bittet darum, stattdessen in die USA zu ihrer Schwester gehen zu dürfen, doch man erfährt ihr, dass die Schweiz zu ihrer Sicherheit gewählt wurde. Rita erhält eine exorbitante Summe für ihre Dienste. Manitas täuscht unterdessen den Tod vor und beginnt ein neues Leben als Emilia Pérez. Vier Jahre später begegnet Rita in London Emilia, die sich wünscht, wieder mit ihren Kindern zusammenzukommen. Rita arrangiert die Rückkehr Jessis und der Kinder nach Mexiko-Stadt, wo Emilia leben soll. Sie stellt sie als entfernte, wohlhabende Cousine von Manitas vor, die sich freiwillig bereit erklärt hat, die Kinder großzuziehen. Jessi erkennt Emilia nicht und widersetzt sich der Vereinbarung. Schließlich stimmt sie der Rückkehr nach Mexiko zu, trifft dort aber Gustavo Brun (Edgar Ramirez) wieder, einen ehemaligen Liebhaber, mit dem sie in den späteren Jahren ihrer Ehe eine Affäre hatte. Während sie sich an ihr neues Leben in Mexiko gewöhnen, treffen Rita und Emilia zufällig die Mutter eines vermissten Kindes. Emilia denkt über ihre kriminelle Vergangenheit nach. Später, als sie ihren Sohn ins Bett bringt, sagt der, sie würde wie sein verstorbener Papa riechen.  Reumütig nutzt Emilia ihre Kontakte zu inhaftierten Kartellmitgliedern, um eine gemeinnützige Organisation zu gründen, die die Leichen von Kartellopfern identifiziert, um sie ihren Familien zurückzugeben, damit diese endlich Trauerarbeit leisten können und abschließen können. Rita und Emilia arbeiten beim Aufbau der Organisation und der Gewinnung von Spendern zusammen, von denen einige, wie Rita bemerkt, gefährlich und korrupt sind.. Eeine Frau (Adriana Paz), deren gewalttätiger Ehemann von der Organisation identifiziert wurde, trifft sich mit Emilia, um dessen Tod zu bestätigen. Die beiden beginnen daraufhin eine Beziehung. Unterdessen knüpft Jessi neue Kontakte zu Gustavo - eine Affäre mit Tragweite...


Die Geschichte klingt nicht ganz realistisch, aber es ist Kino und Audiard erzählt eine transsexuelle Geschichte mit großer Faszination. Ein völlig verrücktes Musical, dass lange im Gedächtnis bleibt, weil es eben so einzigartig ist. Das Ensemble spielt grandios.



Bewertung: 8,5 von 10 Punkten

Montag, 19. Mai 2025

Last Days (Gus van Sant)


Regie: Gus van Sant

Die letzten Tage eines Rockmusikers...

Der 2005 realisierte Musikerfilm "Last Days" ist der dritte und letzte Teil von Gus van Sants sogenannter "Todestrilogie", die mit "Gerry" im Jahr 2002 begann und ein Jahr später mit "Elephant" fortgesetzt wurde. Dialoge und Erzähulungen sind in allen drei Filmen nur spärlich eingesetzt, auch die Szenen verlaufen nicht linear. Am besten hat diese Machart bei "Elephant" funktioniert. In "Paranoid Park" dem nächsten van Sant Film nach "Lost Days" verwendet der Regisseur dieselbe Technik erneut.  Ein junger Musiker namens Blake (Michael Pitt) schleicht sich aus einer Reha-Klinik und geht durch einen Wald nach Hause. Er schwimmt durch einen See und macht sich ein Lagerfeuer für die Nacht. Am nächsten Tag kommt er nach Hause und zieht sich um. Er läuft mit einer Schrotflinte im Haus umher und zielt auf seine schlafenden Mitbewohner Scott (Scott Patrick Green), Luke (Lucas Haas), Asia (Asia Argento) und Nicole (Nicole Vicious). Er wird von einem Vertreter der Gelben Seiten (Thadeus A. Thomas), begrüßt, der mit ihm über eine Anzeige im kommenden Buch spricht. Er erhält einen Anruf von seiner Plattenfirma, in dem ihm mitgeteilt wird, dass er und seine Band eine weitere Tournee machen müssen und es wichtig sei, die gebuchten Termine einzuhalten. Doch Blake legt auf. Er geht nach oben und schläft in einem der Zimmer auf dem Boden ein. Asia erwacht und findet ihn schlafend vor, als zwei Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Adam und Andy Friberg) an der Tür stehen. Scott und Luke öffnen die Tür, und die beiden Missionare erzählen ihnen von ihrer Kirche und ihren Lehren. Blake zieht sich um und verlässt das Haus, um in den Schuppen draußen zu gehen, während die Missionare gehen. Scott, Luke, Asia und Nicole gehen, und Blake geht zurück ins Haus. Sein Freund Donovan (Ryan Orion) und ein Privatdetektiv (Ricky Jay) kommen zum Haus. Blake geht, während sie sich im Haus nach ihm umsehen. Er wartet, bis sie weg sind, bevor er das Haus wieder betritt. Er spielt mit Gitarre und Schlagzeug herum und lässt sie zusammen mit seinem Gesang in Dauerschleife laufen. Er hört auf, als seine Plattenmanagerin (Kim Gordon) vorbeikommt und versucht, ihn dazu zu bewegen, mit ihr zu gehen, aber Blake weigert sich. Blake geht an diesem Abend in einen Rockclub, wo ein Freund auf ihn zukommt und ihm erzählt, wie er auf einem Grateful-Dead-Konzert war. Blake geht, bevor sein Freund die Geschichte zu Ende erzählen kann. Blake geht nach Hause, wo Scott etwas von seinem Geld nimmt und Luke Blake um Hilfe bei einem Song bittet. Scott erzählt Luke, dass Donovan einen Privatdetektiv dabei hatte und dass sie gehen sollten. Nachdem Scott und Luke oben Sex hatten, spielt Blake ein letztes Mal Akustikgitarre, bevor er zum Schuppen geht, wo er still sitzt und seinen Mitbewohnern beim Gehen zusieht. Sie verbringen die Nacht im Haus ihres Freundes und sehen am nächsten Morgen die Nachrichten, in denen verkündet wird, dass Blake durch Selbstmord gestorben ist und ein Elektriker seine Leiche gefunden hat. Scott, Luke und Nicole steigen in ein Auto und fahren los. Sie fahren eine Autobahn entlang, während Luke auf dem Rücksitz Gitarre spielt....


Die Figur des drogenabhängigen und möglicherweise bereits psychotischen Rockstar Blake soll den Kultstar Kurt Cobain darstellen, der am 5. April 1994 im Alter von 27 Jahren verstarb. Vermutlich hat er sich das Leben genommen, denn in seinem Abschiedsbrief zitiert er den Neil Young Song "My my, hey hey out of the blue" mit den Lyrics “It’s better to burn out than to fade away" (Es ist besser auszubrennen, als zu verblassen). "Last Days“ enthält zwei Eigenkompositionen von Michael Pitt: einen Akustiksong mit dem Titel "Death to Birth“ und einen elektrischen Jam mit dem Titel"„That Day“" Lukas Haas komponierte ein weiteres Stück, "Untitled“. Rodrigo Lopresti komponierte "Seen as None“ und "Pointless Ride“. Die Figur Scott hört „Venus in Furs“ von The Velvet Underground. Der hedonistische Lebensstil dieser letzten Tage hat das Ende der Existenz zur Folge - die karge Machart des Film erfordert die Geduld des Zuschauers. 


Bewertung: 6 von 10 Punkten.  

Jersey Boys


Regie: Clint Eastwood

Eine Boygroup aus Belleville..

Als Regisseur drehte Hollywoodstar Clint Eastwood vier Filme über Musik: Sein "Honky Tonk Man" wurde inspiriert durch das kurze Leben des Countrysängers Jimmy Rodgers. "Bird" ist eine Liebeserklärung an den Jazz und "Piano Blues" skizziert die Geschichte des Blues. Im Jahr 2014 verfilmte er das Jukebox Musical "Jersey Boys" von Bob Gaudio und Bo Crewe, das 2005 am Broadway uraufgeführt wurde und die Bandgeschichte der "Four Seasons" nacherzählt. Das Musical wurde ein weltweiter Erfolg. Darin wurden viele Hits der Band verwendet unter anderem die Klassiker "Big Girls dont Cry", "Sherry", "December 63", "My Eyes adored you", "Stay" und das unverwüstliche "Cant take my eyes off you". In Belleville, New Jersey, tritt Tommy DeVito (Vincent Piazza) 1951 zusammen mit seinem Bruder Nicky (Johnny Cannizzaro) und ihrem Freund Nick Massi (Michael Lomenda) als "The Variety Trio“ auf. Er lernt den 16-jährigen Frankie Castelluccio (John Lloyd Young) kennen, den Sohn eines Friseurs, der in der Nachbarschaft bereits für seine Gesangsstimme bekannt ist. Frankie genießt die Bewunderung des Gangsters Angelo „Gyp“ DeCarlo (Christopher Walken) aus der Genovese-Familie, der sich für ihn interessiert. Eines Nachts versucht die Gruppe, einen Tresor auszurauben, was zu ihrer späteren Festnahme durch die Polizei führt. Vor Gericht kommt Frankie mit einem Klaps auf die Finger davon, während Tommy zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt wird. Nach seiner Freilassung schließt sich Tommy der Gruppe wieder an und engagiert Frankie als Leadsänger. Frankie ändert seinen Künstlernamen zunächst in Frankie Vally und später in Frankie Valli. Bei einem Auftritt wird Frankie von einer Frau namens Mary Delgado (Renee Marino) verzaubert. Er lädt sie zum Abendessen ein, und die beiden heiraten bald. Die Gruppe, die nun "The Four Lovers“ heißt, braucht nach Nickys Weggang einen Songwriter. Tommys Freund Joe Pesci erzählt ihm von dem talentierten Singer-Songwriter Bob Gaudio (Erich Bergen) und lädt ihn ein, die Gruppe bei einem Auftritt zu hören. Gaudio ist von Vallis Gesang beeindruckt und sagt zu. Die Band hat bereits mehrere Demos aufgenommen und versucht, Interesse zu wecken, hat aber wenig Erfolg. Eines Tages unterzeichnet Produzent Bob Crewe (Mike Doyle) in New York einen Vertrag. Schnell wird ihnen jedoch klar, dass sie damit nur als Backgroundsänger für andere Künstler auftreten dürfen. Crewe meint, die Gruppe habe noch kein unverwechselbares Image oder einen unverwechselbaren Sound. Inspiriert von einem Bowlingbahn-Schild wird die Band in "The Four Seasons“ umbenannt und singt Crewe einen neuen Song, „"Sherry“, den Gaudio geschrieben hat. Dieser erklärt sich bereit, ihn aufzunehmen. "Sherry“ wird schnell ein kommerzieller Erfolg, gefolgt von zwei weiteren: „"Big Girls Don't Cry“ und "Walk Like a Man“. Vor einem Auftritt in der Ed Sullivan Show wird Valli jedoch vom Gangster Norman Waxman (Donny Kehr)angesprochen, einem Kredithai einer der anderen Fünf Familien, der behauptet, Tommy schulde ihm 150.000 Dollar. Frankie wendet sich an DeCarlo, der Waxman dazu bringt, der Gruppe die Rückzahlung der Schulden zu erlauben, die sich als erheblich höher herausstellen. Tommy muss für die Mafia-Komplizen in Las Vegas arbeiten, bis die Schulden beglichen sind. Nick, verärgert über Tommys Verantwortungslosigkeit, die fehlende Beteiligung an den Entscheidungen der Gruppe und die Tatsache, dass er seine Familie nie sehen kann, verlässt ebenfalls die Gruppe. Da die Band ständig auf Tournee gehen muss, um die Schulden abzubezahlen, engagiert sie Studiomusiker und wird zu Frankie Valli and the Four Seasons, wobei Gaudio nun ausschließlich als Songwriter und Produzent fungiert. Valli erfährt von seiner Ex-Frau Mary, dass seine drogenabhängige Tochter Francine (Freya Tingley) von zu Hause ausgerissen ist. Valli trifft seine entfremdete Tochter und bedauert, ihr in ihrer Kindheit kein besserer Vater gewesen zu sein. Er arrangiert außerdem, dass Gaudio ihr Gesangsunterricht gibt und Crewe ein Demo für sie aufnimmt. Einige Jahre später hat die Gruppe endlich Tommys Schulden beglichen. Dies fällt jedoch mit der Nachricht von Francines Tod durch eine Überdosis Drogen zusammen. Frankie und Mary trauern um ihre Tochter. Gaudio komponiert eine neue Nummer für Valli – seine erste als Solokünstler. Frankie zögert zunächst, da er noch trauert, stimmt aber schließlich zu. Der Song "Can’t Take My Eyes Off You“ wird ein kommerzieller Erfolg. 1990 stehen die Four Seasons kurz vor der Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame. Die Band spielt "Rag Doll“ auf der Bühne, ihren ersten gemeinsamen Auftritt seit über zwanzig Jahren. Die Musik verklingt, während die vier Männer abwechselnd zum Publikum sprechen. Ironischerweise arbeitet Tommy jetzt für Joe Pesci, einen Oscar-prämierten Schauspieler. Nick behauptet, seinen Ausstieg aus der Gruppe nicht zu bereuen und die Zeit mit seiner Familie zu genießen. Frankie tourt weiterhin solo, sehnt sich aber nach den Tagen zurück, als er mit den anderen auftrat. Bob hat sich nach Nashville, Tennessee, zurückgezogen. Frankie sagt, seine beste Zeit bei den Four Seasons sei vor deren Erfolg gewesen, "vier Typen unter einer Straßenlaterne, als alles noch vor uns lag...


Passend dazu als Musicaleinlage "December 63", der größte Hit der Band. Die Bandmitglieder fungierten mit als Produzenten. Insgesamt spielte der Film 67 Millionen Dollar ein, für das hohe Budget war das leider zu wenig Umsatz. Auch die Kritik reagierte eher verhalten. Die Geschichte von Aufstieg und Fall der Four Seasons ist absehbar, viel zu selten wird die emotionale Spannung in der Gruppe spürbar. Alles wirkt etwas distanziert in der musikalischen Zeitreise in die 50er und 60er Jahre. Trotz vieler guten Szenen fehlt irgendwie der Schwung und auch die Tiefe. 

Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

I´m not there


Regie: Todd Haynes

Sechs Mal Bob Dylan...

Regisseur Todd Haynes hat sich vor allem mit den beiden Douglas Sirk Hommagen "Dem Himmel so fern" und "Carol" einen internationalen Namen gemacht. Sein erster Langfilm "Poison" brachte ihm den Großen Preis der Jury beim Sundance Film Festival, er wurde damit zu einem wichtigen Wegbereiter des New Queer Cinema. Mit der für ihn ungewöhnlichen fiktiven Bob Dylan Biografie "I´m not there" gewann er 2007 den Großen Preis der Jury bei den Filmfestspielen in Venedig. Cate Blanchett, die ebenfalls in die Rolle des legendären Singer-Songwriter und Lyriker schlüpft, gewann später den Golden Globe und bekam auch eine Oscar-Nominierung.  "I'm Not There“ verwendet eine nichtlineare Erzählweise und wechselt zwischen sechs Charakteren in separaten Handlungssträngen, inspiriert von der Musik und den vielen Leben Bob Dylans. Jeder Charakter repräsentiert eine andere Facette von Dylans öffentlichem Image: Dichter (Arthur Rimbaud), Prophet (Jack Rollins/Father John), Gesetzloser (Billy McCarty), Betrüger (Woody Guthrie), „Rock-’n’-Roll-Märtyrer“ (Jude Quinn) und „Star der Elektrizität“ (Robbie Clark). Produktionsnotizen des Verleihs The Weinstein Company erklären, dass der Film „das Leben und die Musik Bob Dylans als eine Reihe wechselnder Persönlichkeiten dramatisiert, die jeweils von einem anderen Schauspieler verkörpert werden – Dichter, Prophet, Gesetzloser, Betrüger, Star der Elektrizität, Rock-’n’-Roll-Märtyrer, wiedergeborener Christ – sechs Identitäten, die miteinander verwoben sind, sechs Organe, die durch eine Lebensgeschichte pumpen. Arthur Rimbaud, gespielt von Ben Whishaw:  Der 19-jährige Arthur Rimbaud wird von Vernehmern verhört. Seine kryptischen Antworten ziehen sich durch den gesamten Film, darunter Bemerkungen über Fatalismus, das Wesen von Dichtern, "sieben einfache Regeln für das Leben im Verborgenen“ und Chaos. Woody Guthrie, gespielt von Marcus Carl Frankling:  1959 reist ein elfjähriger Afroamerikaner namens Woody Guthrie mit Güterzügen durch den Mittleren Westen der USA. Mit einer Gitarre in einem Koffer mit dem Slogan "Diese Maschine tötet Faschisten“, spielt er Blues und singt über Themen wie Gewerkschaftsbewegung. Ein Teil eines Gesprächs zwischen Woody und zwei Landstreichern auf einem Güterzug über sein Leben in einer Stadt namens "Riddle“ ist direkt aus einem anderen Film, Ein Gesicht in der Menge“ (1957), übernommen. Als er kurz von einer afroamerikanischen Familie aufgenommen wird, rät ihm die Mutter, stattdessen über die Probleme seiner Zeit zu singen. In einem anderen Güterwagen wacht Woody auf, wird von anderen Landstreichern bedroht und fällt nach einer Schlägerei vom Zug in einen Fluss. Er ertrinkt beinahe, wird aber von einem weißen Paar gerettet, das ihn aufnimmt. Sie sind von seinem musikalischen Talent beeindruckt, doch Woody flüchtet, als sie einen Anruf aus einer Jugendstrafanstalt in Minnesota erhalten, in dem ihnen mitgeteilt wird, er sei ein entflohener Flüchtling. Als der Junge erfährt, dass der echte Woody Guthrie todkrank ist, reist er nach New Jersey, um Guthrie im Krankenhaus zu besuchen. Jack Rollins/Father John, gespielt von Christian Bale:  Die Karriere des Folkmusikers Jack Rollins wird als Dokumentarfilm inszeniert, erzählt von Interviewpartnern, darunter auch der Folksängerin Alice Fabian. Jack wird Anfang der 1960er Jahre zum Star der Folkszene von Greenwich Village und von seinen Fans für seine Protestlieder gelobt. Er unterschreibt bei Columbia Records, doch 1963, als der Vietnamkrieg eskaliert, hört er auf, Protestlieder zu singen und wendet sich von der Folkmusik ab, da er glaubt, dass beides keinen echten sozialen oder politischen Wandel bewirkt. Nach der Ermordung John F. Kennedys betrinkt sich Jack bei einer Zeremonie, bei der er eine Auszeichnung einer Bürgerrechtsorganisation entgegennimmt. Als er in seiner Dankesrede bemerkte, er habe in Kennedys Mörder Lee Harvey Oswald etwas von sich selbst gesehen, wurde er vom Publikum ausgebuht und verspottet. Er tauchte unter und begann 1974 einen Bibelstudienkurs in Stockton, Kalifornien. Er trat als wiedergeborener Christ hervor, brach seine Vergangenheit ab und wurde ordinierter Pfarrer, der unter dem Namen „Father John“ Gospelmusik aufführte. Robbie Clark Robbie Clark, gespielt von Heath Ledger: Ein 22-jähriger Schauspieler, der 1965 in dem biografischen Film "Grain of Sand“ den Jack Rollins spielt. Während der Dreharbeiten in Greenwich Village im Januar 1964 verliebt er sich in die französische Künstlerin Claire (Charlotte Gainsbourg), und sie heirateten bald. „Grain of Sand“ wird ein Hit und Robbie wurde zum Star. Doch ihre Beziehung gerät ins Wanken, und Claire beobachtet, wie Robbie mit anderen Frauen flirtet. Besonders empört ist sie, als er 1968 während eines Streits darüber, ob das Böse in der Welt zu ändern sei, die Meinung vertritt, Frauen könnten niemals Dichterinnen sein. Schließlich zieht Robbie aus dem gemeinsamen Haus aus und geht für vier Monate nach London, um einen Thriller zu drehen. Dort beginnt er eine Affäre mit seiner Filmpartnerin. Richard Nixons Ankündigung des Pariser Friedensabkommens im Januar 1973 veranlasst Claire dazu, die Scheidung einzureichen. Sie erhält das Sorgerecht für ihre beiden Töchter, erlaubt Robbie aber, mit ihnen eine Bootsfahrt zu unternehmen. Jude Quinn Jude Quinn, gespielt von Cate Blanchett ist ein beliebter ehemaliger Folksänger, dessen Auftritt mit einer kompletten Band und E-Gitarren bei einem Jazz- und Folkfestival in New England seine Fans empört und sie des Verrats bezichtigt. Auf seiner Reise nach London wird Jude vom Journalisten Keenan Jones gefragt, ob er desillusioniert sei oder glaube, dass die Folkmusik ihre Ziele des gesellschaftspolitischen Wandels nicht erreicht habe. Jude wird von einem Hotelangestellten angegriffen, hängt mit den Beatles herum, trifft seine ehemalige Geliebte Coco Rivington und den Dichter Allen Ginsberg, der behauptet, Jude habe sich "an Gott verkauft“. Im Interview mit Jude bemerkt Keenan, dass Judes Lieder von der Black Panther Party als Rekrutierungsinstrument genutzt werden. Er meint, Jude weigere sich, tiefe Gefühle zu entwickeln und sei gleichzeitig sehr verlegen. Jude ist beleidigt und verlässt das Interview. Bei einem Konzert mit "Ballad of a Thin Man“ wird Jude vom Publikum ausgebuht und als Judas“ beschimpft. Keenan enthüllt im Fernsehen, dass J trotz seiner Behauptungen einer turbulenten Vagabundenvergangenheit Jude ist in Wirklichkeit Aaron Jacob Edelstein, der gebildete Sohn eines Kaufhausbesitzers aus der Vorstadt, der Mittelschicht, aus Brookline, Massachusetts. Angesichts einer langen Reihe anstehender Europatourneen gerät Jude in den Drogenkonsum und kommt offenbar bei einem Motorradunfall ums Leben. Billy McCarty Der Gesetzlose Billy McCarty, gespielt von Richard Gere: vermutlich von Pat Garrett getötet, lebt versteckt und einsam in einer Hütte außerhalb des ländlichen Riddle, Missouri, einer surrealen Stadt, auf die im Woody-Guthrie-Abschnitt Bezug genommen wird. Als Billy erfährt, dass Commissioner Garrett die Stadt abreißen will, um eine Autobahn zu bauen, was mehrere Einwohner in den Selbstmord getrieben hat, fährt er ins Stadtzentrum und stellt Garrett zur Rede, der versucht, die Einwohner zu beschwichtigen. Garrett erkennt Billy, kann ihn aber nicht als den Gesetzlosen Billy the Kid einordnen. Als die Einwohner mit einem Aufstand drohen, wird Billy wegen Unruhestiftung ins Gefängnis geworfen. Sein Freund Homer befreit ihn aus seiner Gewalt und springt in einen Güterwagen eines vorbeifahrenden Zuges, wo er Woodys Gitarre findet. Während er davonfährt, äußert er sich zum Wesen von Freiheit und Identität. Der Film endet mit Aufnahmen von Dylan, der 1966 bei einem Live-Auftritt ein Mundharmonika-Solo spielt...


Irgendwie verwirrend, vor allem wenn man sich mit dem Leben von Bob Dylan nie beschäftigt hat. Der Film lebt von den visuellen Einfällen, die Schauspieler sind alle sehr engagiert bei der Sache.  Vor allem Cate Blanchetts Leistung ist ein aussergewöhnlich, und das nicht nur, weil sie als Jude Quinn den nervösen, amphetaminberauschten Dylan der Jahre 1965–1966 mit beunruhigender Genauigkeit verkörpert. Die Besetzung einer Frau in dieser Rolle offenbart eine Dimension des bissigen Dylan dieser Ära, die selten wahrgenommen wurde .Blanchetts durchscheinende Haut, ihre zarten Finger, ihre schlanke Statur und ihre flehenden Augen deuten auf die zuvor unsichtbare Verletzlichkeit und Angst hin, die Dylans stechende Wut anheizten.Für Hardcore Fans von Dylan ist der Film sicherlich eine Offenbarung und auch ein Mysterium, wie der Künstler selbst. Allerdings befürchte ich eine mangelnde Zugänglichkeit für die breite Öffentlichkeit - ich hatte Mühe mit der sicherlich künstlerisch gut gemachten filmischen Collage. 


Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

 

Nashville


Regie: Robert Altman

It don´t worry me...

Nashville im US-Bundesstaat Tennessee hat ca. 600.000 Einwohner und ist das Zentrum der amerikanischen Country- und Western Music. Eine der populärsten Musikgenres in den USA und gleichzeitig die Musik der "Rednecks, der Konservativen, der christlichen Fundamentalisten, der von der Wirtschaft im Stich gelassenen Unterschicht und der vielen Fernfahrer. In den Texten wird von Liebe, Familie, Kindern, Heimweh, Fernweh und Patriotismus gesungen und gefiedelt. In Downtown Nashville befinden sich zahlreiche bekannte Musik-Clubs und Bars, in den fast immer Live Musik gespielt wird. Aus der Stadt wird auch seit 1925 die berühmte Liveshow Grand Ole Opry, das älteste noch existierende Radio-Muskprogramm in den Staaten, das lange schon auch im TV übertragen wird. Wie konservativ die Zuschauer und Zuhörer dieser Show sind und waren lässt sich am Auftritt von Elvis Presley am 2. Oktober 1954 beweisen. Ihm wurde danach von den Machern der Show dringend empfohlen die Musikkarriere zu stecken und wieder Lastwagen zu fahren.
Technisch verstärkt wird das dort ständig ablaufende"24 Stunden Rund um die Uhr Spektakel" mit eigenen Slogans und Werbeslogans. In Robert Altmans scheinbar purem Dokustreifen "Nashville" aus dem Jahr 1976 kommen noch zwei Varianten dazu: Es ist Wahljahr und der Politiker Hal Philip Walker (Thomas Hal Phillips) hat Chancen mit seinen poplulistischen Reden ins Weiße Haus zu kommen und es laufen die Vorbereitungen für Amerikas große 200 Jahr Feier.
Dort in diesem Musikmekka dreht sich alles um den Traum ganz weit nach oben zu kommen, viele junge Musiker und Bands reisen in die Stadt, weil sie wissen, dass dort das Herz und der Schmerz Amerikas musikalischen Ausdruck erhält und der Rest des Landes mit dieser Stilrichtung vollgepumpt wird. Alles ist Schein hier, man kann Plastik nicht mehr von Fleisch und Blut auseinanderhalten, weil beides bereits eine Art Symbiose gebildet hat. In der ersten Szene des Films erlebt der Zuschauer den neuen Song des Topstars Haven Hamilton (Henry Gibson) im Tonstudio. "I pray my sons won't go to war -But if they must, they must. I share our country's motto And in God I place my trust. We may have had our ups and downs Our times of trials and fears. But we must be doin' somethin' right To last 200 years." - ein Übersong für die anstehenden Feierlichkeiten. Dabei hat der populäre Toupetträger seine Karriere zu einem lukrativen Familienunternehmen gemacht, der Sohn Bud (Dave Peel) ist gleichzeitig Manager seines berühmten Daddys. Er streitet sich auch mit den zwei singenden Ladys Connie White (Karen Black) und der privat sehr zerbrechlichen und labilen Barbara Jean (Ronee Blakely) um die Krone von Nashville. Inzwischen ist auch das Wahlkampfteam von Walker eingetroffen, der mit seinem dröhnenden Lautsprecherwagen seine nichtssagenden Phrasen an den Mann bringt. Der Wahlkampfberater John Triplette (Michael Murphy) versucht den Big Star Haven als Gouverneur zu gewinnen. Triplette findet die Musik, die hier in der Stadt gemacht wird, sehr rückständig - aber das neue anspruchsvolle Folkalbum von Bill (Allan F. Nichols), Mary (Cristina Rains) und Tom (Keith Carradine) findet er sehr gut. Tom ist aber ein Frauenheld aus Passion und ruft heimlich die verheiratete Gospelsängerin Linnea Reese (Lily Tomlin) an, damit ein Date zustande kommt. Zuerst ziert sich die Frau mit ihren beiden taubstummen Kindern, doch dann kommt es doch zu einem Seitensprung. Kein Wunder, denn Tom singt auf der Bühne "I´m easy" und die Verführung klappt - ihr Mann (Ned Beatty), örtlicher Wahlhelfer für den kommenden Mann im weißen Haus, ist zu beschäftigt um überhaupt was zu bemerken. Barbara Jean indessen ist nahe dem Nervenzusammenbruch, doch sie kann ihre zahlreichen Fans wie den noch jungen Vietnam Veteranen Glenn Kelly (Scott Glen) oder Kenny Frasier (David Hayward), der auch mit seinem Geigenkasten angereist ist und bei Mr. Green (Keenan Wynn) ein Zimmer genommen hat. Der hat Besuch von seiner Nichte Martha (Shelley Duvall) aus Kalifornien bekommen, doch Tante Esther liegt im Krankenhaus - im Nachbarszimmer der kränkelnden Diva Barbara Jean, die von ihrem robusten Mann (Allan Garfield) umsorgt wird. Als eher nervig entpuppt sich die aufdringliche BBC Reporterin Opal (Geraldine Chaplin), die soviele Prominente wie möglich hier interviewen will. Davon gibts ja genug. Zu einer Party draussen kommt mal kurz Elliot Gould vorbei, im angesagten Club trifft man auf die britische Schauspielerin Julie Christie und sagt mal kurz "Hallo".  In diesem Geflecht von 24 Menschen, die sich in den gezeigten 5 Tagen in Nashville mal immer wieder über den Weg laufen, sind auch die jungen Gesangstalente Suellen Gay (Gwen Welles) und Winifred (Barbara Harris), die ihre Auftrittschance denn auch tatsächlich bekommen...


Und Letztere zeigt dabei sogar ihr Riesentalent mit der tragischen Schlußnummer "It don´t worry me" - geschrieben von Keith Carradine. Das besondere der Songs liegt auch darin, dass die meisten Schauspieler die Lieder selbst geschrieben haben und nicht nur textlich passen sie vortrefflich zum Filmgeschehen, sie lenken sogar den Fluß der Handlung und dieser scheinbar banalen Geschichten dieser zwei Dutzend Schicksale, die hier in zahlreichen Handlungssträngen chaotisch miteinander kollidieren. Doch dies scheint nur so - tatsächlich hat Altman dieses Storygeflecht sorgfältig miteinander verwoben. Politik und Unterhaltungsindustrie werden dabei ihrer Oberflächlichkeit und Unehrlichkeit völlig entlarvt. Ein Messer in die Wunde populistischer Meinungsmache sowohl im politischen Geschäft als auch in den entlarvenden Texten dieser HeileWelt Musik und machen aus dem amerikanischen Traum eine Alptraum. Für Altmans Meilenstein des Episodenfilms gabs 5 Oscar-Nominierungen, darunter die Nebendarstellerinnen Lily Tomlin und Ronee Blakely. Auch Regisseur Altman wurde nominiert und auch in der Hauptkategorie "bester Film" kam "Nashville" unter die besten Fünf. Es gab aber am Ende nur eine Auszeichnung: "I´m easy" gewann als bester Filmsong.


Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

Carmen


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Carlos Saura

Gefährliche Tanzproben..

Im Jahr 2004 erhielt der bekannte spanische Regisseur Carlos Saura den Europäischen Filmpreis für sein lebenswerk. In seiner aktiven Laufbahn bekam er dreimal den goldenen Bären von Berlin (Die Jagd, Peppermint Frappe, Los-Tempo) und dreimal einen Preis bei den Filmfestspielen in Cannes (Cousine Angelika, Züchte Raben, Carmen). Für die Filme "Mama wird 100 Jahre alt" und "Carmen" gabs auch eine Oscarnominierung als bester Auslandsfilm. Der Tanzfilm "Carmen" war sein größter kommerzieller Erfolg - eigentlich auch eine dicke Überraschung. Er belegte im Jahr 1983 mit über 2 Millionen verkaufter Kinotickets Platz 10 der deutschen Kinocharts und war weltweit zu seiner Zeit der größte Filmerfolg Spaniens in den USA. Dieser Rekord wurde erst fünf Jahre später durch Pedro Almodovars "Frauen am Rande eines Nervenzusammenbruchs" gebrochen. Während seiner erster Film "Los Golfos" noch vom italienischen Neorealismus inspririert wurde, sind seine Filme der 60er und 70er Jahre meist Spiegelbild der spanischen Gesellschaft während der Zeit des Franco Regimes. Erst ab den 80er Jahren dominierten Musik- und Tanfilme.  Der Choreograf Antonio (Teo Escarnilla) bereitet eine Aufführung von Georges Bizets Oper Carmen vor und möchte sie mit spanischer Musik und Flamenco-Tänzen bereichern. Er arbeitet mit Paco (Paco de Lucia) zusammen, einem Gitarristen, der die Originalmusik für sein Instrument adaptiert. Obwohl Antonio in seiner Flamenco-Schule nach der perfekten Carmen sucht, fällt es ihm schwer, die Richtige zu finden. Seine beste Tänzerin Cristina (Cristina Hoyos) gilt als zu alt für die Rolle. Doch die junge Tänzerin Carmen (Laura del Sol) fällt ihm während einer Probe auf und fesselt ihn mit ihrem feurigen Tanz und ihrer Anziehungskraft. Nach einer Flamenco-Show schenkt Antonio Carmen ein Buch von Prosper Mérimée und drängt sie, es zu lesen, da er überzeugt ist, dass sie für die Rolle bestimmt ist. Daraufhin beauftragt er Cristina, Carmen intensiv zu trainieren. Während der Proben leitet Antonio die Schauspieler an, sich das Bühnenbild und die Atmosphäre vorzustellen und so die Bühne für die intensive Rivalität zwischen Carmen und Cristina zu bereiten, die durch den Tanz zum Ausdruck kommt. Als Antonio sich in Carmen verliebt, erleben sie eine leidenschaftliche Begegnung. Doch Carmen verlässt das Haus plötzlich mitten in der Nacht und gibt bekannt, dass sie verheiratet ist. Trotzdem gibt Antonio ihr Geld, da sie behauptet, ihr Mann wolle neu anfangen. Carmens Ehemann offenbart jedoch seine Absicht, seine kriminellen Aktivitäten fortzusetzen, was zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen ihm und Antonio führt. In einer Schlüsselszene wird Carmens Verrat deutlich, als Antonio sie mit einem anderen Mann entdeckt. Trotz ihrer beruhigenden Worte kann Antonio es nicht ertragen, sie zu teilen. Die Spannung steigert sich, bis Antonio seine Geliebte Carmen scheinbar aus Eifersucht tötet..


Der Film verwischt die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, während auch die reale Beziehung zwischen Antonio und Carmen auf der Bühne zerbricht. Schließlich führt Antonios Verzweiflung zur Tragödie und lässt das Publikum hinterfragen, was real und was Teil der Aufführung ist. Kein üblicher Kunstfilm - Saura liefert in den Bruchstücken der gezeigten Probearbeit eine furiose Carmen-Interpretation. es gelingt ihm aus dem Zusammenklang von Kunst und Wirklichkeit noch eine dritte interessante Ebene: Der Konflikt einer selbstbewussten, modernen Frau, die mit dem leidenschaftlichen Besitzanspruch eines Mannes konfrontiert wird. Dieser Film bietet mit seinem Tanztheater Viruosität und eine suggestive Dynamik. 



 Bewertung: 9 von 10 Punkten.

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