Carmen Jones

Carmen Jones

Samstag, 29. März 2025

Sweeney Todd


Regie: Tim Burton

Menschenfresser in London...

Ich mag viele Tim Burton Filme. Die meisten seiner Arbeiten bieten zwar den extremen visuellen Overkill und lullen mich als Zuschauer auch völlig ein, ich staune - ohne dass ich noch richtig zum Nachdenken komme.
Burton ist eine Art Märchenerzähler des Kinos, der vor allem magisch wirkende Bilder kreiert, die im Optimalfall auch faszinieren können - alles eingebettet in schräge Geschichten, wilde Mischungen aus Expressionismus, Gebrüder Grimm, Walt Disney und Wizard of Oz...also kitschig, bizarr, komisch und mit nem grossen morbiden Touch angereichert.
Sein grosses Talent besteht darin, diese sich teilweise streitenden Elemente miteinander zu verbinden und in einer vollendeter Form zu präsentieren.
So auch in seinem neuesten Film "Sweeney Todd", den ich sogar noch vor "Charlie und seine Schokoladenfabrik" und "Sleepy Hollow" für seinen bisher besten Film halte.
Die nach einem Roman gedrehte Geschichte führt uns zurück ins London des 19. Jahrhundert - in die Zeit von Jack the Ripper und Königin Victoria. Sweeney Todd (Johnny Depp) ist Barbier des düsteren Barber Shop" in der Fleet Street. Dort schneidet er seinen Kunden während der Arbeit mit einem Rasiermesser die Kehle durch. Nur seine Bekannte Mrs. Lovett (Helena Bonham Carter), die den anliegenden Pasteten-Laden führt, weiss davon.
Sweeney heisst eigentlich Benjamin Barker und wurde 15 Jahre vorher von Richter Turpin (Alan Richman) und seinem Helfeshelfer Barnford (Timothy Spall) unschuldig angeklagt und verbannt, nur weil Turpin ein Auge auf Benjamins schöne Frau geworfen hatte.
Jetzt kommt der Verurteilte von damals als gnadenloser Rächer zurück....


Der Film hält sich an die Musical Broadwayfassung von Stephen Sondheim aus dem Jahre 1979.
Und diese Melodien klingen wie viele Broadway- und Hollywoodmusicals früher klangen...nämlich seltsam vertraut, nostalgisch und sehr oldfashioned...und trotzdem funkt es auch musikalisch nach einiger Zeit. Bilder und Musik sind faszinierend, verschmelzen ebenfalls zu einer Einheit, die suggestiv und mitreissend wirkt.
Die oscarprämeirte Szenenbild lässt ein London des 19. Jahrhunderts in atemberaubender Optik wieder auferstehen, im Mittelpunkt die schrägsten und abgründigsten Filmhelden, die man sich vorstellen kann.
Eine Menge Blut wird fliessen, Ekel wird es geben und "Sweeney Todd" war mein diesjähriger Halloween Film - eine optimale Wahl, wie ich finde. Die Amerikaner liessen das Grusical letzte Weihnachten ins Kinorennen gehen...damit empfiehlt er sich auch als zukünftiger Christmas-Classic.

 Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Like a complete Unknown

Regie: James Mangold  Musikalische Weiterentwicklung... Biopics von großen Pop- und Rockstars sind seit "Walk the line" von James...